Systemische Therapie
Behandlung schwerer Formen der

Neurodermitis

Lässt sich eine schwere Neurodermitis nicht durch eine topische Therapie kontrollieren, kann eine systemische Therapie angezeigt sein. Die Wirkstoffe, die als Tabletten oder Emulsionen eingenommen oder unter die Haut gespritzt werden, gelangen ins Blut und zirkulieren im gesamten Körper. Dadurch ist ihre Wirksamkeit stärker, doch es steigt auch das Risiko für Nebenwirkungen. Daher sind Wirkstoffe gefragt, die möglichst gezielt in das Entzündungsgeschehen eingreifen, in dem sie z. B. die Aktivität bestimmter Immunzellen blockieren.

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Orale oder subkutane Wirkstoffaufnahme

Eine systemische Therapie bei Neurodermitis ist nur bei schweren Krankheitsverläufen angezeigt. Die Wirkstoffe gelangen oral über den Magen-Darm-Trakt oder subkutan über eine Spritze ins Blut.

Etwa 10 Prozent der erwachsenen Patienten werden zumindest zeitweilig systemisch behandelt. Für die Behandlung der Neurodermitis bei Kindern ist eine systemische Therapie in der Regel nicht geeignet.

  • Orale Glukokortikoide: Um einen akuten Schub zu unterbrechen, kann der Arzt Glukokortikoidtabletten verordnen. Diese hemmen die Entzündungsreaktion und zeigen erfahrungsgemäß eine deutliche Wirkung. Allerdings kann eine längerfristige Behandlung aufgrund der möglichen Nebenwirkungen (u. a. Haut- und Muskelatrophie, Osteoporose, Anstieg des Blutzuckerspiegels) nicht empfohlen werden.

  • Ciclosporin: Ciclosporin, das in Form von Tabletten oder als Mikroemulsion eingenommen wird, ist ein Immunsuppressivum, d. h., der Wirkstoff dämpft die Immunreaktion und hemmt damit auch den Entzündungsprozess. Konkret beeinflusst Ciclosporin die Aktivität der T-Zelle und die Ausschüttung entzündungsfördernder Zytokine (siehe Grafik S. 9). Da Ciclosporin bei längerfristiger Einnahme zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann (u. a. Beeinträchtigungen der Nierenfunktion), sollte der Arzt die Behandlung regelmäßig überprüfen und die Dosierung individuell anpassen. Für die Behandlung schwerer Neurodermitis wird eine Kurzzeit- oder eine Intervalltherapie mit Ciclosporin empfohlen. Dabei wird zu Beginn der Behandlung der Wirkstoff höher dosiert verabreicht und bei einer Besserung der Beschwerden schrittweise auf eine individuelle Erhaltungsdosis reduziert, bis die Therapie schließlich ganz abgesetzt oder unterbrochen werden kann. Bei sehr schweren Verläufen und guter Verträglichkeit kann die Therapie auch über einen längeren Zeitraum fortgesetzt werden.

    Ciclosporin ist nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen zugelassen. Im Falle einer sehr schweren Neurodermitis, kann der Arzt jedoch eine Off-Label- Therapie mit Ciclosporin in Erwägung ziehen.

Off-Label-Therapie

Manche Arzneimittel sind für die Behandlung verschiedener Erkrankungen und Personengruppen geeignet. Für jeden Einsatzbereich bedarf es dann einer eigenen Zulassung. Wenn der Arzt ein Medikament außerhalb der Zulassung verordnet, bezeichnet man dies als off-label. Eine Off-Label-Therapie wird in der Regel nur zur Behandlung einer schwerwiegenden Erkrankung in Erwägung gezogen, falls keine andere Therapie verfügbar ist und wenn auf Grund von Studien und Erfahrungswerten die begründete Aussicht auf einen Behandlungserfolg besteht.

  • Off-Label-Therapie bei erwachsenen Patienten: Es gibt einige Wirkstoffe, die off-label zur Therapie schwerer Neurodermitis im Erwachsenenalter eingesetzt werden. Der Arzt kann diese Medikamente vorschlagen, wenn eine andere Therapie nicht anschlägt oder aufgrund der Nebenwirkungen nicht verabreicht werden kann. In den Leitlinien zur Behandlung von Neurodermitis werden als Therapiealternativen im Off-Label-Bereich die Wirkstoffe Azathioprin, Mycophenolatmofetil (MMF) und Methotrexat (MTX) aufgeführt.

neue therapien

Neue Therapien

Fortschritte in der medizinischen Forschung und ein besseres Verständnis der immunologischen Abläufe bei Neurodermitis ermöglichen neue, zielgerichtete Therapien.

  • Biologika: Je gezielter ein Medikament in das Krankheitsgeschehen eingreift, desto besser lässt sich die Therapie kontrollieren und das Risiko von Nebenwirkungen senken. Bei der Behandlung immunologischer Erkrankungen setzt man u. a. große Hoffnungen auf eine Medikamentenklasse, die als Biologika bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Eiweißstoffe, die in den Ablauf des Entzündungsmechanismus eingreifen, in dem sie die Wirkung bestimmter Botenstoffe hemmen.

    Ein erstes Biologikum zur Behandlung mittelschwerer und schwerer Neurodermitis bei erwachsenen Patienten ist seit Ende 2017 auf dem Markt verfügbar. Man weiß, dass bei Neurodermitis die Zytokine IL-4 und IL-13 als Botenstoffe eine Schlüsselrolle im Entzündungsgeschehen haben (siehe S. 9). Der Wirkstoff greift genau hier an: Als sogenannter monoklonaler Antikörper blockiert er gezielt die Signalwege für IL-4 und IL-13.

    Gezielte Blockade der Immunreaktion

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    Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit haben gezeigt, dass der monoklonale Antikörper bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer und schwerer Neurodermitis zu einem Rückgang der Ekzeme und zum Nachlassen des Juckreizes führt. Zudem zeigte sich eine gute Verträglichkeit. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht in nennenswerter Zahl auf. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen kurzzeitige Reaktionen wie Hautrötung, Schwellung und Juckreiz an der Einstichstelle. Häufig treten Trockenheit, Rötung und Jucken der Augen, Rötung, Schwellung und Jucken der Augenlider sowie Fieberbläschen auf den Lippen auf.

    Da Biologika aufgrund ihrer Struktur nicht von der Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes aufgenommen werden, kann man sie nicht oral verabreichen. Sie werden deshalb unter die Haut gespritzt. Das Medikament steht in der vorgegebenen Dosierung als Fertigspritze zur Verfügung. Nach einer entsprechenden Unterweisung durch den Arzt können sich die meisten Patienten die Spritze selbst verabreichen.

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Subkutane Dosierung

Subkutane Dosierung bedeutet, dass das Medikament unter die Haut gespritzt wird. Nach entsprechender Unterweisung durch den Arzt oder medizinisches Fachpersonal können sich viele Patienten die Spritze selber setzen. Die Selbstinjektion erfolgt am besten in Bauch oder Oberschenkel.

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Aktuelle Pressemeldung

Was heißt hier schwer?

So beurteilen Ärzte Schweregrad und Leidensdruck bei Neurodermitis

Bonn, 29.11.18 Leicht, mittel, schwer: Um bei Neurodermitis eine geeignete Therapie zu finden, erfassen Ärzte mittels Punktesystem den Schweregrad. Dieser sagt allerdings nur wenig darüber aus, wie sehr ein Patient tatsächlich leidet. Hier setzt der Dermatologische Lebensqualitäts-Index (DLQI) an. Die Deutsche Haut- und Allergiehilfe erklärt Sinn und Grenzen solcher Erfassungssysteme.

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